Zum Inhalt springen

Jude Bellingham: Mentale Stärke und Erfolg

7. September 2023

Jude Bellinghams Anteil am Erfolg von Borussia Dortmund in der Saison 2022/23 verdient mehr Anerkennung, als er in manchen Medien erhielt. Nach seinem Wechsel fehlten der Mannschaft nicht nur seine fußballerischen Qualitäten, sondern vor allem seine mentale Stärke. Fünf Punkte aus den ersten drei Spielen gegen vergleichsweise schwache Gegner zeigten, wie schwer sein Abgang wog. Bellingham war in jener Saison einer der mental stärksten Führungsspieler des BVB; sein Auftreten im Training und in den Spielen prägte die Mannschaft. Man kann zumindest vermuten, dass Dortmund mit einem einsatzfähigen Bellingham im letzten Saisonspiel gegen den 1. FSV Mainz 05 bessere Chancen auf den Sieg und damit auf die deutsche Meisterschaft gehabt hätte.

Auch in der englischen Nationalmannschaft bewies Bellingham mentale Stärke und außergewöhnliche fußballerische Fähigkeiten. Wie schnell er sich anschließend in die erfolgsorientierte Mannschaft von Real Madrid integrieren würde, war dennoch kaum abzusehen. Dazu trug auch Carlo Ancelotti bei: Der Trainer holte ihn nicht nur nach Madrid, sondern fand für ihn eine Rolle, in der seine Qualitäten optimal zur Geltung kamen.

Mitunter geben selbst Entscheidungen namhafter Trainer Anlass zum Nachdenken. Bereits eine falsch besetzte Position kann – vereinfacht als eine von elf Positionen betrachtet – die Erfolgschancen einer Mannschaft spürbar mindern; bei Torhütern und Abwehrspielern können die Folgen besonders groß sein. Einzelne Fehler gehören zum Fußball. Problematisch wird es jedoch, wenn sich dieselben Fehler in kurzen Abständen wiederholen: wenn ein Spieler den Ball mehrfach ohne Not zum Gegner spielt, ein Verteidiger wiederholt zu spät in seine Position zurückkehrt oder ein Angreifer trotz besser postierter Mitspieler immer wieder selbst den Abschluss sucht. Akzeptiert ein Trainer solche Muster dauerhaft, erschwert das die Entwicklung einer Kultur, in der Verantwortung, Lernbereitschaft und Siegeswille gefordert werden.

Wie Bellingham seine mentale Stärke entwickelte und in nahezu jedem Spiel abrufen kann, müsste man ihn selbst fragen. Klar ist jedoch: Eine Mannschaft ohne mental starke Führungsspieler wird nur schwer dauerhaft große Erfolge erzielen. Manchester City war 2023 ein Beispiel für ein Team mit zahlreichen solchen Persönlichkeiten und gewann mehrere Titel, darunter die UEFA Champions League.

Spieler wie Messi, Cristiano Ronaldo und Lewandowski – früher auch Pelé und Maradona – verbanden außergewöhnliche Technik mit mentaler Stärke und übernahmen dadurch Führungsverantwortung. Verantwortungsvolles und kreatives Denken während eines gesamten Spiels setzt zugleich eine körperliche Vorbereitung voraus, die hohe Konzentration bis zum Schlusspfiff ermöglicht. Viele Vereine könnten der mentalen Entwicklung junger Spieler und dem psychophysischen Training noch mehr Aufmerksamkeit widmen. Visualisierung, Atemtraining, Yoga oder Tai-Chi lassen sich auch individuell praktizieren. Spieler wie Thomas Müller, Erling Haaland und Mario Götze haben Yoga genutzt und dessen Nutzen für ihre Fitness hervorgehoben. Besonders bemerkenswert ist Götzes Rückkehr nach gesundheitlichen Problemen. Ergänzende Methoden von Fachleuten wie Yasin Seiwasser könnten Sportlern helfen, auch unter Druck ruhig zu bleiben – nach dem Grundsatz: „Nur Ruhe im Stress ist wahre Ruhe.“