Wie man innerlich mit einer Pandemie umgeht?

28. Oktober 2020 Neuroplastizität – Das Gehirn und das Nervensystem sind wie eine adaptive Maschine. Wenn du dich mental auf einer Schotterstraße befindest, verwandelt sich das Auto in einen Jeep – auf einer Formel-1-Strecke in einen Rennwagen. Diese Eigenschaft der Neuroplastizität ist zweifellos der Grund, warum wir die Verwalter des Planeten und die dominante Spezies sind – und nicht irgendeine andere. Dank dieser Wandlungsfähigkeit können wir auch mit schweren Krisen umgehen. Wir müssen uns der Neuroplastizität nur bewusst sein.

Sinn in der globalen Krise finden – Wir Menschen haben die bewusste Fähigkeit, Dopamin-Belohnungen subjektiv zu steuern. In Krisenzeiten spielt der Dopaminspiegel eine entscheidende Rolle. Huberman verweist auf Beispiele wie Viktor Frankl und Nelson Mandela, die unter extremen Umständen innere Mechanismen entwickelten, um nicht nur zu überleben, sondern ein Gefühl echten Gedeihens zu entwickeln. Auch Menschen, die Herausforderungen wie die Corona-Pandemie bewältigen, lernen, ihre Dopamin-Belohnungen gezielt zu steuern.

Bedeutung im Leben finden im Schatten der COVID-19-Pandemie

Mit Enttäuschungen und Rückschlägen leben – Huberman erklärt das Konzept der Belohnungsvorhersage und warum Enttäuschungen auftreten, wenn ein erwartetes Ergebnis ausbleibt. Gerade wenn eine neue Pandemiewelle die Lage erneut verschärft, müssen wir lernen, mit Rückschlägen umzugehen. Die Dopaminausschüttung vor dem Erreichen eines Ziels sollte geringer sein als die beim Erreichen selbst – besonders in Krisenzeiten ist dies von Bedeutung.

Wie Freunde und Familie unser Gehirn positiv beeinflussen – In schwierigen Zeiten wie einer Pandemie helfen chemische Botenstoffe wie Serotonin und Oxytocin, ein Gefühl des Wohlbefindens und der emotionalen Nähe zu erzeugen. Diese werden etwa beim Treffen mit Angehörigen oder dem Betrachten bedeutungsvoller Objekte freigesetzt. Sie aktivieren neuronale Schaltkreise, die Herz und Darm mit dem Gehirn verbinden und erzeugen ein warmes Gefühl im Oberkörper. Diese neurochemischen Prozesse sind während der Pandemie besonders wichtig.

Stress und die COVID-19-Pandemie – Viele Menschen fühlen sich überfordert, da wir zunehmend in seriellem Modus leben. Früher begann der Tag mit Routine – heute denken wir über alltägliche Handlungen wie das Berühren eines Türgriffs oder das Einkaufen nach. Die Planung nimmt zu, ebenso die kognitive Belastung. Das Gehirn versucht, drei Dinge zu klären: die Dauer, den Weg durch und das Ergebnis der Krise. Das Nervensystem arbeitet in dieser Zeit auf Hochtouren – 100- bis 1000-fach intensiver als gewöhnlich. Doch genau darin liegt auch eine Chance: Wir können diese gesteigerte Aktivität nutzen, um neue, positive Lebensmuster zu etablieren. Die Pandemie wird enden – das ist sicher. Und wir werden gestärkt daraus hervorgehen.