Ballon d’Or und Lewandowski

Der Ballon d’Or wird im Jahr 2020
aufgrund der Corona-Krise leider nicht vergeben. Das ist bedauerlich,
denn seit 1956 wird damit erstmals kein bester Fußballspieler der
Welt ausgezeichnet.

Besonders tragisch ist diese
Entscheidung für den polnischen Weltklasse-Stürmer Robert
Lewandowski. Der Bayern-Star hatte berechtigte Hoffnungen, den Titel
in dieser Saison gewinnen zu können. Warum? Ganz einfach: Seine
Leistungen haben sich in den letzten Jahren stetig von
internationaler Klasse zur absoluten Weltklasse gesteigert. Diese
Entwicklung ist bemerkenswert, da im Profifußball allgemein die
Meinung vorherrscht, dass Spieler über 30 Jahren sich nur noch
verschlechtern können. Robert Lewandowski beweist eindrucksvoll das
Gegenteil: 34 Tore in 31 Bundesliga-Spielen und 13 Treffer in 7
Champions-League-Partien katapultieren ihn in dieser Saison an die
Spitze des Weltfußballs.

Die dominierenden Spieler der
letzten 15 Jahre, Lionel Messi und Cristiano Ronaldo, erlebten für
ihre Verhältnisse lediglich eine durchschnittliche Saison. Keiner
der aufstrebenden jungen Stars kann derzeit mit der Kombination aus
Effizienz und spielerischer Klasse mithalten, die Lewandowski in
dieser Spielzeit an den Tag legt. Es hätte also das Jahr des Polen
werden können – oder vielmehr müssen –, wenn man den
Sachverhalt objektiv betrachtet.

France Football entschied sich
jedoch, den prestigeträchtigen Titel in dieser Saison nicht zu
vergeben. Eine faire Entscheidung? Wir bezweifeln das! Auch wenn die
meisten großen europäischen Ligen wochenlang pausierten, wurden –
mit Ausnahme von Frankreich – alle Top-Ligen zu Ende gespielt. Auch
die Champions League wird im August in Form eines K.-o.-Turniers
abgeschlossen. Die Leistungen von Robert Lewandowski sind in dieser
Saison nicht weniger wert als die von Lionel Messi und Cristiano
Ronaldo in den letzten zehn Jahren.

Wäre dieselbe Entscheidung auch
getroffen worden, wenn Messi oder Ronaldo wie gewohnt die
dominierenden Leistungen gezeigt hätten? Oder liegt es schlicht
daran, dass Lewandowski nie eine vergleichbare internationale
Reputation erreicht hat? Gerade im Hinblick auf südeuropäische und
südamerikanische Medien, die in der Regel ihre eigenen Spieler
bevorzugen, fällt auf, dass osteuropäische Spieler bei solchen
Auszeichnungen selten berücksichtigt werden. Robert Lewandowski
hätte diese Auszeichnung bei einer fairen Bewertung ohne Zweifel
verdient gehabt. Es wäre bedauerlich, wenn mangelnde Anerkennung und
Vorurteile dies verhindert hätten. Man kann France Football nur dazu
aufrufen, ihre Entscheidung noch einmal zu überdenken.

Auch ohne Auszeichnung ist Robert
Lewandowski zweifellos der herausragende Spieler der Saison 2019/20
weltweit. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache.